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Im
Gedenken an
Günter Wand
Wer das Glück hatte, den fast
neunzigjährigen Günter Wand bei seinen
letzten Auftritten zu erleben, der war bewegt und
voller Bewunderung für diesen zerbrechlichen
und gebeugten alten Herrn, der zum Podium
geführt werden musste, aber kaum ans Pult
gelangt, vom ersten Ton an bis zum Ende nichts an
Energie, Präzision und Autorität
eingebüßt hatte. Am 14. Februar 2002,
einen Monat nach seinem 90. Geburtstag, starb
Günter Wand in seinem geliebten Wohnsitz Ulmiz
in der Schweiz.
Das
Eröffnungskonzert der diesjährigen
Pfingstfestspiele am 16. 5. 2002 hätte
Günter Wand in Baden-Baden dirigiert.
Günter Wand,
die letzte Aufnahme - das letzte Interview, lautet
denn auch der Titel dieser Aufnahme mit Franz
Schuberts fünfter Symphonie und Anton
Bruckners Vierter, der "Romantischen". "Ich wollte
Bruckner als größtem Sinfoniker nach
Beethoven dienen, nicht als Untermaler von
besonders weihevollen Situationen mit Weihrauch und
Choralglanz. Deshalb habe ich mich nur auf die Neun
Symphonien konzentriert", sagt Günter Wand in
seinem letzten Interview mit Wolfgang Seifert.
Keine neue Erkenntnis, wenn man die ebenso von
Wolfgang Seifert aufgezeichneten Gedanken und
Erinnerungen gelesen hat. Um so ergreifender aber
sind jene Äußerungen, die Wands innere
Unruhe, seine Uneitelkeit, seine Leidenschaft und
Hingabe an die Musik, die auch im hohen Alter nicht
im Geringsten nachgelassen hatte, bezeugen: "Bei
jeder CD, die heraus kommt, denke ich, was kommt
jetzt auf dich zu? Ich weiß, wie es geht,
warum geht es denn jetzt nicht? Das macht mich ganz
unglücklich."
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